April 2009 - nach der MV in Rheda
Seit meinem Beitritt zur GFGF Anfang 2007 habe ich jetzt 2 Mitgliederversammlungen besucht und meist auf den hinteren Plätzen platzgenommen, absichtlich weiter hinten, um zu hören und zuzuhören. Und hinten hört es sich auf einmal ganz anders an, als es vorne vorgetragen wird.
Darum hier der Einstieg in eine Grundsatzdiskussion:
Die Ziele des Vereines GFGF e.V.
Aufgrund einiger Kommentare von (mir mehr oder weniger bekannten) Mitgliedern der GFGF e.V. nach dem Vortrag von Herrn Bung über professionelle Plattenspieler von Thorens sowie meinem Vortrag "Die Zukunft der GFGF e.V." ist der Focus auf die grundsätzliche Ausrichtung der GFGF gelenkt worden.
Interessierte Kreise innerhalb der GFGF rücken bei jeder nur möglichen Gelegenheit die Satzung ins Blickfeld der Diskussion.
Also zuerst mal - was sagt die Satzung über Sinn und Zweck unseres Vereines aus ?
SATZUNG der "GESELLSCHAFT DER FREUNDE DER GESCHICHTE DES FUNKWESENS"
im § 2 steht es: Gemeinnützigkeit, Zweck, Aufgaben (Stand Juni 2009)
- 1. Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung.
- 2. Der Zweck des Vereins ist die Förderung von Wissenschaft, Forschung und Bildung auf dem Gebiet der Geschichte des Funkwesens.
- 3. Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch
- - a) Förderung der Erfassung, Rettung, Auswertung und Bewahrung funkhistorischer Erkenntnisse und Zeugnisse,
- - b) Erforschung und Darstellung der Geschichte des Funkwesens mit allen seinen Nebengebieten durch eigene Forschungstätigkeit und Veröffentlichung der Ergebnisse,
- - c) Durchführung von Tagungen, Seminaren, Kursen und Vorträgen zur Geschichte des Funkwesens,
- - d) Durchführung und Unterstützung von Ausstellungen zur Geschichte des Funkwesens,
- - e) Aufbau und Unterhalt eines funkhistorischen Archivs,
- - f) Förderung von funkhistorischen Projekten.
-
In §2 Absatz 2 steht es ganz deutlich
Der Zweck des Vereins ist die Förderung von Wissenschaft, Forschung und Bildung auf dem Gebiet der Geschichte des Funkwesens.
Doch was ist in den letzten 30 Jahren bei der GFGF daraus geworden ?
Als ich in meinem Vortrag ausgeführt hatte, die GFGF sei (draußen im Land) nur als ein Verein von alten Röhren-Radio-Sammlern bekannt, war der Aufschrei nicht zu überhören.
Doch die alten Mitglieder, die mich angesprochen haben, haben es bestätigt, nahezu 95% der Mitglieder sammeln ausschließlich alte Röhrenradios.
Jetzt ist es aber höchst wissenschaftlich erforscht und bestätigt - das Fernsehen hat dem Rundfunk schon lange den Rang an Wichtigkeit, Bedeutung und Einfluß abgelaufen. Das betrifft auch die völlig andere Komplexität der Geräte. Sind beim Fernsehen 20 bis 40 Röhren im Empfänger und 200 bis 300 im Sendestudio normal, so haben militärische Funkgeräte mit einstmals 80 Röhren einen exorbitanten Wandel in der Größe und auch der Funktionalität durchgemacht. Transistoren und Schaltkreise haben die Lage nocheinmal um 180 Grad gedreht.
Wie wirkte sich das auf die GFGF aus ? Gab es da irgendwann einen Wandel ?
Die Wahrheit ist hart und keiner will sie vernehmen.
Völlig wertneutral betrachtet ist zum Beispiel ein Volksem- pfänger ein absolut billiges Massenprodukt der aller untersten Qualitätsklasse, hergestellt in Millionen von Stück. Er ist weder rar noch wertvoll, weder vom Geldwert noch vom historischen Wert her gesehen. Auch die vielen vielen Röhrenradios vor 1960 sind überwiegend billigste Consumerware mit Goldbrokat Vorhängen (Bespannungen) vor billigsten Lautsprechern, selbst mein ehemaliger Grundig 3055 3D Klang eingeschlossen.
Von dem E1 Volks- bzw. Einheits- Fernsehempfänger von 1939, der ja auch zur alleruntersten Qualitätsklasse gehören sollte, nämlich extrem preiswert fürs Volk, wurden nur 50 (Muster-) Exemplare gebaut, von denen nur ganz wenige den Krieg überlebt haben. Der ist zumindest deshalb historisch selten und darum teuer, aber auch nur deshalb bedingt wertvoll.
Auch bei den vielen Plattenspielern und Tonbandgeräten handelt es sich überwiegend um einfachste Consumerware auch wiederum in hunderttausenden von Stück hergestellt. Selbst der Dual 1009 neben im Bild wurde über 100.000 Mal hergestellt.
Erst mit dem Aufkommen der Hifi Geräte so ab 1958 wurden Geräte im Consumer Bereich wertig oder sogar wertvoll. Es bleiben also für historisch hochwertige Geräte eigentlich nur die frühen Funkgeräte des Militärs, die Sendeanlagen bei Funk, Radio und Fernsehen und sonstige militärtechnische Geräte übrig.
Wissenschaft und Forschung beim Einkreiser ?
Natürlich ist es interessant, einen Einkreiser oder ein anderes altes Radio mit 3 bis 5 Röhren mit hohem Engagement und auch finanziellen Aufwand wieder spielbereit hin zu bekommen. Aber ist das etwas Wissenschaftliches ? Hat es etwas mit Forschen zu tun, nach Schaltbild oder empirischem Versuch das Gerät zum Leben zu erwecken?
Auch bei extrem weitläufiger Auslegung von §2, Zwecke und Ziele der GFGF, ist es offensichtlich, daß der überwiegende Teil der Aktivitäten der GFGF in einen ganz kleinen Randbereich des Funkwesens abgedriftet ist.
Es wäre für die oben genannten interessierten Kreise opportun, darüber mal verstärkt nachzudenken, ehe bei jedem Schnickschnack auf die Satzung gepocht wird.
Wer hat schon ein Radargerät oder ein Studiotonbandgerät im Wohnzimmer oder einen Fernsehsender ?
Sicher ist das Sammeln von hochwertigen funktech- nischen Geräten ganz schnell kein bezahlbares Hobby mehr. Meine großen Fernsehkameras mit den Studio-Bandgeräten und anderen Studioanlagen zusammen belegen ganz schnell 100 Quadratmeter und mehr. Auch unser Mitglied Liam O'Hainnin in Pfungstadt hat schränkeweise Fernsehdokumentation und ein ganzes Haus voller funkhistorischer Geräte aller Epochen. Unser Mitglied R. Bothe hat nach meiner Schätzung bestimmt 400qm edelste Fernsehstudiotechnik bis hoch unter die Decke gestapelt.
Von dieser Art Sammlungen hatte ich aber bisher nur ganz wenige gesehen, die dem Anspruch unserer Satzung wirklich gerecht werden. Den Auf- und Niedergang des analogen Radios, des anlogen Fernsehens hin zum digitalen EDV-System und die absolut dramatischen Veränderungen zum Beispiel der Musikproduktion wissenschaftlich zu begleiten, das wäre eine adequate (und auch satzungsgemäße) Aufgabe.
Auch die existenzielle Veränderung bei den elektrischen Kommunikationswerkzeugen bis hin zum Todesstoß zum Beispiel für den DARC fällt da in unseren Aufgabenbereich.
Das bekommt man natürlich nicht in den Schoß gelegt und die ewig Gestrigen, zum Beispiel die Analog Gurus, (analog sei ja sowieso und jetzt erst recht besser als digital) werden das nicht mehr schultern können.
Eigentlich zwingt uns unsere eigene Satzung zur Kursänderung !
Ein Thema meines Vortrages war die zunehmende ungebremste Überalterung unseres Potentials.
Ich sehe es fast schon als einen Verstoß gegen diese unsere Satzung an, an den "alten Röhrenradios" hängen zu bleiben und nicht schleunigst eine Öffnungskampagne zur Gewinnung neuer Mitglieder zu starten. Und zwar mit allen personellen Ressourcen, die irgendwie mobilisiert werden können.
In §2 Absatz 3c steht: Durchführung von Tagungen, Seminaren, Kursen und Vorträgen zur Geschichte des Funkwesens
Wann hat die GFGF zuletzt Tagungen, Seminare, Kurse und Vorträge zur Geschichte des Funkwesens angeboten oder gar veranstaltet ?
Es steht doch ganz deutlich in der Satzung. Warum passiert da nichts ?
Wir haben doch 7 (sieben) Personen im Vorstand. Kommt jetzt so langsam die Wahrheit ans Licht wie bei der Frau Dr. Silvana Koch-Mehrin von der FDP, die offensichtlich so selten in Brüssel war, daß man sie dort überhaupt nicht kennt, außer wenn die Gage fällig ist ?
Es ist also noch ein Jahr Zeit für den Vorstand, jetzt etwas anzukurbeln.
Übrigens:
Professor Ralf Dahrendorf wird folgendermaßen zitiert:
Ein Zitat zum Tode Darendorfs am 17.Juni 2009 aus der FAZ am Sonntag (W. Streek)
"Professor Dahrendorf, der vieles war, war sicher kein Systematiker: Systemtheorie war ihm fremd, stattdessen war und blieb er Konflikttheoretiker.
Systeme machten ihm Platzangst, weil sie konfliktfrei sein wollen.
Konflikte aber waren für ihn nicht nur unvermeidlich, sondern lebensnotwendig: Ihre Unterdrückung bedeutete Totalitarismus, ihre Zulassung dagegen war die wichtigste Voraussetzung von Freiheit.
Menschen, so der Kern des Dahrendorfschen Denkens, brauchen nicht geschlossene Systeme, sondern eine offene Gesellschaft, die Konflikte erträgt, indem sie sie produktiv nutzt."








